Entwicklung begleiten: von innen oder von außen?
Unlängst wurde ich gefragt, ob Organisationsentwicklung besser von innen oder von außen begleitet werden sollte.
Eine berechtigte Frage – und aus meiner Sicht keine einfache.
Beides hat seine Berechtigung. Menschen im System kennen Abläufe, Geschichte, informelle Regeln und Zusammenhänge. Dieses Wissen ist wertvoll und unverzichtbar. Gleichzeitig erlebe ich in vielen Organisationen, dass genau diese Nähe zum System auch einschränken kann. Man ist Teil davon. Man hat Rollen. Erwartungen. Loyalitäten. Und manchmal auch blinde Flecken.
Ein externer Blick bringt Abstand. Nicht, weil man es besser weiß – sondern weil man nicht verstrickt ist. Man kann Fragen stellen, die intern schwer gestellt werden können. Man darf Dinge benennen, ohne Teil der internen Dynamik zu sein. Und man kann den Fokus konsequent auf das Gesamtsystem richten – nicht auf einzelne Interessen oder operative Zwänge.
Ein weiterer Punkt ist Zeit.
Organisationsentwicklung braucht Raum. Raum zum Nachdenken, Reflektieren, Ausprobieren. Dieser Raum fehlt intern oft, weil der operative Alltag laut ist und ständig drängt. Entwicklung passiert dann „nebenbei“ – und bleibt häufig an der Oberfläche.
Aus meiner Erfahrung entsteht die größte Wirkung dort, wo beides zusammenkommt:
das Wissen von innen und der Blick von außen. Wo gemeinsam gedacht, gespürt und entschieden wird. Wo Entwicklung nicht verordnet, sondern gestaltet wird.
Mein Fazit: Nachhaltige Entwicklung ist weniger eine Frage der Herkunft der Begleitung, sondern der Haltung.
Sie gelingt dort, wo Offenheit, Mut zur Ehrlichkeit und echtes Miteinander möglich sind – und wo der Weg gemeinsam gegangen wird.